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Partnerschaftstreffen in geschichtsträchtigem Gebiet

Erlebnisreiche Tage durften die Teilnehmer des 32. Partnerschaftstreffens zwischen dem Wanderclub Foyer Esquimaux aus Wangens Partnerstadt La Garenne-Colombes und der Sektion Wangen des Deutschen Alpenvereins in Bitche in den Nordvogesen verbringen.

Das nahe dem Elsass, dem Saarland und der Pfalz gelegene Bitcherland ist ein geschichtsträchtiges Gebiet mit großer Kultur und langen Traditionen. Seine hügelige Landschaft ist geprägt von weiten Flächen und tiefen Wäldern, in denen es sich hervorragend wandern lässt und wo man immer wieder vielfältige Spuren der Vergangenheit entdecken kann.

Nach dem Eintreffen in Haspelschiedt wurden wir am Seeufer von unseren französischen Freunden begrüßt und mit einem opulenten Picknick verwöhnt. Bei der anschließenden Wanderung zu den Dianafelsen und Altschlossfelsen bei Roppeviller konnten wir die imposanten Felswände aus rotem Sandstein bewundern.  Danach bezogen wir unsere Unterkunft VVF Village nahe der Stadt Bitche am Hasselfurther Weiher.

Der zweite Tag ließ wiederum das Herz für Naturliebhaber höher schlagen, denn zwei ausgetüftelte Wanderrouten führten uns zu den hoch oben auf Felsvorsprüngen gelegenen mittelalterlichen Burgruinen Waldeck, Falkenstein und Ramstein. Die Aussicht von den Burgruinen über die in zartem Frühlingsgrün leuchtenden weiten  Buchen-, Eichen- und Kiefernwälder war ein Schmaus für die Augen und zugleich Balsam für die Seele. Nicht umsonst gehört diese Landschaft zum UNESCO-Biosphärenreservat.  Beeindruckend auch immer wieder zu sehen, wie die Kräfte der Natur an den roten Sandsteinfelsen ihre Spuren hinterlassen haben. So wird der Erbsenfelsen wegen seiner durch die Erosion herausgewaschenen bogenförmigen Öffnungen auch „Rocher de l’arche“ genannt. Ganz nahe konnten die Wanderer dies auch an der Burgruine Falkenstein entdecken, denn dort kann man über mit Geländer gesicherten Stegen bis zu den obersten Mauerresten emporklettern.

„Auf den Spuren der Glasmacher“ hieß das Motto für den dritten Tag. Von St. Louis les Bitche führte die Wanderung zunächst durch liebliche Buchenwälder nach Goetzenbruck und von dort zum 12 Apostelstein, einer Wegmarkierung genau auf der Grenze zwischen Lothringen und dem Elsass,  der in früheren Zeiten für Handeltreibende und Reisende Orientierungspunkt war. Im oberen Teil des Steins wurde auf allen vier Seiten ein Relief herausgearbeitet, das die zwölf Apostel darstellt.
  Nach einer weiteren Stunde erreichen wir den Glasstandort Meisenthal. Ein geführter Besuch im Glas- und Kristallmuseum zeigt uns eine prachtvolle Sammlung von Glasobjekten und in der Glashütte haben wir die Gelegenheit, einer Glasbläserin bei ihrer Arbeit über die Schultern zu schauen und die Herstellung einer Blumenvase zu verfolgen.
 Bei der anschließenden Wanderung zurück nach St. Louis les Bitche können wir noch einmal die prächtigen Buchen- und Kiefernwälder bewundern, die das Landschaftsbild des Bitcherlandes so eindrucksvoll prägen. Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt einer 360 Jahre alten Eiche,  für deren Stammumfang zu bestimmen fünf Personen mit ausgestreckten Armen nötig sind. 
Wenig später erreichen wir die 1897 errichtete Kirche von St. Louis-les-Bitche, ein prächtiges Gebäude im romanisch-rheinischen Stil und wohl ein absolutes Muss bei der Erkundung des religiösen Kulturerbes im Bitcherland. Diese aus dem Sandstein der Vogesen zu Ehren des Hl. Ludwig erbaute Kirche ist mit glasierten Blei-Dachziegeln gedeckt, die dem Dach eine ganz besondere farbliche Ausdruckskraft verleihen. Die zwei prächtigen Kronleuchter, die den Chorraum erhellen, lassen an die nahe gelegene Kristallmanufaktur in St. Louis denken.
Nach der Rückkehr in unserer Unterkunft wartete noch ein festliches Abend-
essen auf uns, bei dem wir unsere Eindrücke und auch Erinnerungen aus früheren Begegnungen austauschten. Bei der anschließenden Überreichung der Gastgeschenke betonten sowohl Daniel Pitsch von Foyer Esquimaux als auch Hubert Weber vom DAV Wangen die freundschaftlichen Bande weiter zu stärken und zu vertiefen. Ein besonderer Dank ging an Daniel und seinen Helfern für die hervorragende Organisation des Treffens.

Abgerundet wurde das Programm am letzten Tag mit einem Besuch der Zitadelle von Bitche, einem militärischen Kulturerbe. Die mit einem  Kopfhörer ausgestatteten Besucher können in den weitläufig aufbereiteten Gängen und Räumen im Untergeschoss und in den Kasernen umhergehen. Filmische Inszenierungen, die aus Sequenzen des Films „Die belagerte Festung“ zusammengestellt wurden, lassen die Besucher in die Ereignisse der historischen Belagerung 1870 eintauchen.  An interaktiven Infosäulen bekommen die Besucher einen Eindruck vom Verteidigungssystem dieses Ortes. Die Narben dieses Konfliktes waren durch diese Art musealer Aufbereitung  deutlich sicht- und geradezu auch spürbar. Dass Frieden unter den Völkern nicht selbstverständlich ist, erleben wir jeden Tag neu, wenn wir das Weltgeschehen in den Nachrichten verfolgen. Umso mehr gilt es, sich für den Frieden einzusetzen – nicht nur mit Worten, sondern auch Taten. Was konnte also besser passen, als die deutsch-französische Freundschaft mit diesem Besuch zu unterstreichen?
In diesem Sinne verabschieden wir uns und freuen uns schon auf das nächste Treffen 2019.